Probleme der Ubersetzung der Mischentlehnungen mit einem

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Aber: Besteht bei einer kampflosen Hinnahme dieses starken anglo-amerikanischen Einflusses auf den deutschen Wortschatz nicht die Gefahr, dass die deutsche Sprache schliesslich ein Anglo-Deutsch wird?

Die Antwort fällt nicht leicht. Aber es fragt sich, ob ein Sich-Sperren gegen ein Vokabular, das nur der Herkunft nach englisch, in Wahrheit aber eher international ist, nicht provinziell wäre und die Deutschen und ihre Sprache iso1ieren würde. Wie wenig Erfolg solchen Bemühungen beschieden ist, zeigt der Versuch Frankreichs, sogar mit staatlicher Sprachlenkung gegen das Franglais anzugehen.

Das Englische hat zu früheren Zeiten, als es noch nicht die internationale Ausstrahlung von heute besass, solche Barrieren nie aufgerichtet. Dieser Offenheit gegenüber anderen Sprachen verdankt es sein kosmopolitisches Vokabular. Vielleicht könnte man auf die gedankenlose Übernahme des einen oder anderen englischen Ausdrucks verzichten, wenn ein gleichwertiger deutscher Ausdruck schon vorhanden ist (zum Beispiel wiederverwenden statt recyceln).

Es ist nicht eine solche Wortschatzerweiterung, sondern etwas anderes, was die deutsche Sprache bedroht: ihre Preisgabe zugunsten des Englischen, ihre Nichtverwendung in immer mehr Kommunikationsbereichen, vor allem als Sprache der Wissenschaft und des geistigen Austauschs.

Eine lebende Sprache und ihr Wortschatz sind durchaus einem Organismus vergleichbar, der nur dann leistungsfähig bleibt, wenn alle seine Funktionen regelmässig genutzt werden. Auch die Anpassungsleistungen, die ein Organismus vollbringt, wenn er auf neue Gegebenheiten reagiert, müssen ihm abgefordert werden. Sonst kommt es zu Degenerationserscheinungen und zum Absterben bestimmter Funktionen. Ist aber dieses Stadium erst einmal eingetreten, besteht die Gefahr, dass auch andere Funktionsbereiche betroffen werden.

Viele Lehnwörter decken natürlich einen Bedarf, andere sind wiederum "Luxuslehnwörter, die aus Prestigegründen entlehnt werden .* Hierbei werden manchmal einheimische Wörter verdrängt, aber oft tritt auch eine Bedeutungsdifferenzierung ein, indem das entlehnte Wort z.B. eine speziellere Bedeutung erhält als das deutsche:

*H-D Fischer., Einführung in die deutsche Sprachwissenschaft.- 1992.-87 S.

Drink '(alkoholisches, bes. Mix-) Getränk'

Hit '(besonders erfolgreicher) Schlager'

Job '(meist: vorübergehende) Arbeit'

Meeting '(politische, wissenschaftliche oder sportliche) Zusammenkunft

Die englischen Wörter können mit deutschen Kompositionsgliedern und Ableitungsmorphemen verbunden werden:

Milch-Shake, Käsetoast, Reiseboom, Raumdesigner; Dispatcherdienst (DDR), Livesendung, Round-Table-Konferenz; foulen, trampen, restbar, Managertum.

Die Gründe für die grosse Flut der Entlehnungen sind aussersprachlicher Natur: die politische Vormachtstellung der Vereinigten Staaten nach dem 2. Weltkrieg, bes. in der Bundesrepublik; westliche Bündnispolitik; Internationalisierung auf wirtschaftlichem, kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet.

Fachsprachen mit stark anglisierter Terminologie sind u.a.

Luftfahrt: Cockpit, Clipper, Turbojer

Datenverarbeitung: Chip, Plotter, Diskette, Software

Psychologie und Soziologie: Sensitivity-Training, Ilern, In-Group

Werbefachsprache: Visualizer, Self-Liquidator

Einen systematischen Sprachpurismus gibt es aber heute nicht mehr. Die Haltung dem Fremdwort gegenüber ist liberaler geworden. Für die Sprachpflege von heute ist die Frage in erster Linie sprachsoziologischer Natur: In den Fachsprachen brauchen wir die internationale Terminologie In der Allgemeinsprache aber sollten Fremdwörter in den Fällen vermieden werden, wo sie der Leser oder Hörer nicht ohne weiteres versteht. Es wird also vor einem Prestigegebrauch überflüssiger Fremdwörter gewarnt, der soziale Unterschiede noch unterstreicht und ausserdem zu kommunikativen Störungen führen kann .

: 13/01/2010